Der Handwerker -
der Halsabschneider?
Die Abzocker - Das sind ihre Tricks!
Leider bin ich gestern auf oben genannter SAT1-Sendung hängen geblieben ... Natürlich, auch wir finden, daß Information enorm wichtig ist. Selbstverständlich informieren auch wir uns laufend - über die Qualität der Produkte, die wir verwenden, woher diese kommen, was es für interessante Marktneuheiten gibt, welche aktuellen Entwicklungen im Bereich Umwelttechnologie entstehen. Und natürlich wollen wir unser Wissen über alle Bereiche unserer Fachgebiete an unsere Kunden weitergeben. Wer ausreichend informiert ist, kann klare Entscheidungen treffen und wird keine bösen Überraschungen erleben.
Das ist die eine Seite. Die andere ist die mit dem Vertrauen. Die gestrige SAT1-Abzocker-Sendung hat mich gewaltig schockiert. Formate wie diese finde ich ziemlich giftig für unsere Gesellschaft. Bald wird sich keine Omi mehr ihr Handwagerl von einem Unbekannten die Treppe zur Straßenbahn heraufheben lassen: Es könnte ja ein gemeiner Dieb sein. Nachbarschaftshilfe? - Die wollen einem doch nur die Wohnung ausräumen! Jemanden Wildfremden auf der Straße eine Auskunft geben oder gar die Uhrzeit ansagen? – Soweit kommt's noch! Und dann hab ich mal eine schöne Armbanduhr gehabt! Hab ich im Fernsehen gesehen, jaja ... Wie ich finde, ein trauriges Zukunftsbild.
Das mit dem Vertrauen ist nämlich so eine Sache: Es basiert nämlich auf Gegenseitigkeit. Sonst klappt es nämlich nicht.
Der Kunde hat die Möglichkeit, sich zu informieren, wen er sich ins Haus holt: Ist der Handwerker, den ich mir ausgesucht habe, bei der Handwerkskammer eingetragen? Hat er einen Meistertitel? Hat in meinem Freundeskreis jemand gute Erfahrungen gemacht und kann mir jemanden empfehlen? Oder er macht sich selbst vor Ort ein Bild und stattet seinen Besuch im Geschäft des Handwerkers ab und sucht dort das persönliche Gespräch. So kann beispielsweise Vertrauen entstehen.
Der Handwerker, der um 18.oo Uhr noch zu einem ihm bisher unbekannten Kunden fährt, weil es dringend ist, weil es einen Rohrbruch gegeben hat, die Elektrik ausgefallen ist, die Heizung ausläuft, mitten im Winter das warme Wasser nicht geht, das Fenster im Kinderzimmer zu Bruch gegangen ist oder es beunruhigend nach Gas riecht? Er hat wenig Chancen, sich vorher über seine Kundschaft zu informieren. Ihm bleibt nicht viel anderes, als darauf zu vertrauen, dass dann nachher nicht doch alles irgendwie ganz anders ist und er seinem Geld hinterherlaufen darf anstatt besser zu Hause bei seiner Familie Feierabend gemacht zu haben? Nein. Er kommt, weil es sein Beruf, seine Aufgabe ist. Und weil er darauf vertraut, daß sein Arbeitseinsatz, seine benötigte Hilfe entsprechend honoriert wird.
Er investiert Zeit, sucht nach der und informiert sich über die beste Lösung, berät, arbeitet Angebote aus, bestellt Material, das er vorfinanziert, koordiniert und führt seine Arbeiten aus, mit dem Ziel, das optimale Resultat zu erzielen. Und während dessen, geht er selbstverständlich davon aus, daß der Kunde im Gegenzug seine Abschlagszahlungen und die Endrechnung begleichen wird.
Also auch hier wieder: Der Handwerker vertraut dem Kunden, der Kunde vertraut dem Handwerker, dass er tatsächlich ein Meister seines Fachs ist und sämtliche Leistungen bestmöglich vollbringt – und korrekt abrechnet. Sonst funktioniert's nicht.
Kurz: Eine kritische Betrachtung von Sendungen und Zeitungsartikeln, die nur sehr einseitig berichten und mit großer Sensationslust Furcht, Schrecken und Misstrauen säen, ist wünschenswert.
Legt den Halsabschneidern das Handwerk!
Nichts für Ungut.
Ihre
Irma Grantlhuber
(Heute Abend lasse ich den Fernseher aus!) |